19. Juni 2015

Konzept Hansaplatz: Ein Faustschlag ins Gesicht der Sozialarbeit und Sozialpolitik

Im Nachgang an das für Bürgerinnen und Bürger, Initiativen und Gewerbetreibende eingerichtete Forum Hansaplatz, stellten am 18.06. die Fraktionen der Bezirksversammlung HH-Mitte ihre Forderungen für den Hansaplatz vor.

Der Antrag der Koalition SPD/Grüne sah unter dem Punkt Sozialarbeit einen „milieunahen Ansprechpartner“ vor, der „den Anspruch vermitteln (soll), dass jeder eine Mitverantwortung für die Sauberkeit und die Sicherheit auf dem Hansaplatz trägt“. Außerdem solle ein „Ansprechpartner für Behörden, sowie Anwohnerinnen und Anwohner“ geschaffen werden, ein sogenannter Quartierskümmerer.

„Mit Sozialarbeit hat das jedoch rein gar nichts zu tun!“, so Ina Morgenroth (DIE LINKE.), sozialpolitische Sprecherin für Armut, Obdachlosigkeit, Verdrängung und Kriminalisierung. „Soziale Arbeit ist in erster Linie für das Wohlergehen ihrer Klientinnen und Klienten zuständig und darum bemüht, soziale Ungleichgewichte auszugleichen, sowie einen Dialog zu fördern und Chancen zu eröffnen. Es geht dabei nicht darum, reine normverdeutlichende Maßnahmen umzusetzen, sondern die soziale Lage der Klientel in den Blick zu nehmen und zu verbessern.“, so Morgenroth weiter.

Ansonsten gab sich die Koalition mit einer Vernetzung der bereits bestehenden Institutionen am Hansaplatz und der Schaffung eines Trinkerraums oder Platzes „an einem abseits gelegenen Ort“ zufrieden. Dass die rund 30 sozialen Einrichtungen in St. Georg zum großen Teil hamburgweit agieren und somit nicht direkt auf dem Hansaplatz tätig sind oder zum Beispiel mit einer völlig anderen Zielgruppe als den Menschen am Hansaplatz arbeiten, sowie ein gut durchdachtes Konzept für Streetwork am Hansaplatz fehlt, haben SPD und Grüne dabei völlig übergangen. DIE LINKE forderte in einem eigenen Antrag die Erweiterung der Sozialen Arbeit am Hansaplatz und Umgebung, vor allem im Bereich Streetwork und niedrigschwelliger Angebote. Dieser Antrag wurde von SPD, Grüne, CDU und AfD jedoch abgelehnt.

Rückfragen Ina Morgenroth