13. Dezember 2016

Erläuterungstafel für Frenssen-Haus

Antrag öffentlich

Fraktion DIE LINKE

Drucksachen–Nr.: 21-2802

Datum: 13.12.2016

Beratungsfolge

Gremium 

Datum

Öffentlich

Bezirksversammlung Hamburg-Mitte

15.12.2016

 

Erläuterungstafel für Frenssen-Haus


Sachverhalt:

In der Ferdinandstraße 6 befindet sich das sogenannte „Frenssen-Haus“ – ein Bürogebäude nahe der Binnenalster, welches unter Denkmalschutz steht.


Das Gebäude mit dem gut sichtbaren Außenschriftzug „Frenssen Haus“ wurde nach dem Dichter Gustav Frenssen benannt und ist in Privatbesitz. Im Eingangsbereich des Hauses ist eine Gedenktafel mit dem Bild des Dichters (eingefasst in die Marmorverkleidung) zu sehen.
Gustav Frenssen (1863-1945) war ein deutscher Schriftsteller des völkischen Nationalismus und Nationalsozialismus. Seine Werke gehörten zur Massenliteratur u. a. des NS-Regimes, die nationalistische, rassistische und antisemitische Wertvorstellungen vermittelten. Nach der Machtübernahme unterstützte er offen die NSDAP. Er unterschrieb 1933 das Gelöbnis treuester Gefolgschaft für Hitler, bejahte ab 1938 die Ausgrenzung der Juden und trat für die Euthanasie ein.


1937 erschien „Vorland“. Grübeleien, seine Notizen aus den Jahren 1920 bis 1935. In dem darin enthaltenen fiktiven Tagebuch der Amtmannschaft Wittschild, eines Deutschlands im Jahre 2023, sprach er sich für radikale Maßnahmen der Eugenik und Euthanasie aus. 1938 verlieh Hitler ihm die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft.


1940 erschienen seine Autobiographie Lebensbericht, die von Großstadtfeindlichkeit, Antiintellektualismus und Antisemitismus geprägt ist, sowie Recht oder Unrecht – mein Land!, in dem er die Verfolgung der Juden und das Weltmachtstreben der Nationalsozialisten rechtfertigte.


Gustav Frenssen ist also mindestens ein deutscher Dichter mit einer sehr dunklen Vergangenheit. Auf diese Vergangenheit und sein hetzerisches wie antisemitisches Gedanken- und Schriftgut wird am oder im Frenssen-Haus keinerlei Bezug genommen. Ohne nähere Erläuterung ist im Innenbereich das Konterfei des Nazi-Dichters ausgestellt, womit ihm quasi ein huldigendes Denkmal gesetzt wurde, ohne dabei inhaltlich auf sein Wirken und seine Bedeutung im Nationalsozialismus aufmerksam zu machen.


Das Gebäude steht unter Denkmalschutz und ist in Privatbesitz. Daher ist der Bezirk Mitte nicht in der Lage, eine Umbenennung des Hauses zu veranlassen. Eine erläuternde Tafel zu Gustav Frenssen ist jedoch aus unserer Sicht unerlässlich. Denn so wie der Zustand jetzt ist, verweist nichts auf den Zusammenhang zwischen Frenssen und seinem Wirken in der NS-Zeit. Dem Dichter wird auf diese Weise ein unreflektiertes Denkmal gesetzt. Dies kann auch der Besitzer des Hauses nicht wirklich wollen.


Petitum/Beschluss:

Die Bezirksversammlung möge daher beschließen:

Wir bitten den Bezirksamtsleiter sich für die Aufstellung einer Erläuterungstafel o. Ä. zum Wirken von Gustav Frenssen im Nationalsozialismus am oder im Frenssen-Haus einzusetzen und hierfür Gespräche mit dem Besitzer des Hauses zu führen.