29. August 2014

Hanse Cube: Wird das Loch jetzt gefüllt? Und wenn ja, womit?

Ja, genau, es geht um das Loch an der Adenauerallee zwischen Linden- und Böckmannstraße, das dort bereits seit 2007 klafft, umgeben von Bretterzäunen mit großspurigen Ankündigungen.

Dem Hamburger Abendblatt vom 13. August war zu entnehmen, dass die Marriott-Kette nunmehr dem Projektentwickler „Patrizia“ auf den Leim gegangen ist und ein neues Hotel mit 277 Zimmern bauen lassen will. Und es ist auch von „bis zu“ 120 Wohnungen die Rede. Und sowohl Dr. Osterburg, der Fraktionsvorsitzende der GAL (mit Einschränkungen) als auch der Herr „Quartiersmanager“ Schüler sind hocherfreut. Wir nicht.

Und wir haben uns immer dagegen ausgesprochen, an dieser Stelle noch mehr Büroarbeitsplätze und/oder noch mehr Touristenschlafplätze zu errichten. Was wir brauchen sind Wohnungen, und zwar bezahlbare, möglichst öffentlich geförderte. Davon ist aber nicht die Rede. Schon 2012 hieß es, man wolle anstelle der Büros Eigentumswohnungen bzw. hochpreisige, weil frei finanzierte Mietwohnungen errichten. DIE LINKE. lehnt das ab, ebenso wie noch mehr Hotelbetten im Stadtteil.


Vor einigen Jahren, genauer vor dem „Vertrag für Hamburg“ und dem „Wohnungsbauprogramm“ des SPD-Senats, hieß es noch, Wohnen sei an dieser Stelle wegen der Lärm- und Feinstaubbelastung an einer Hauptverkehrsstraße ausgeschlossen (ein Schelm, der Böses dabei denkt …). Abgesehen davon, dass der Autoverkehr reduziert gehört, sind die technischen Möglichkeiten zum Schutz vor Lärm und Feinstaub inzwischen offenbar wesentlich fortgeschritten, wie sich in der Hafencity, wo das Wohnen ähnlich problematisch, aber offenbar möglich ist, regelmäßig zeigt.

Warum also soll es nicht möglich sein, das Grundstück komplett für das Wohnen zu nutzen? Und was, außer den Profitinteressen der Patrizia, verhindert, dass dort geförderte Wohnungen entstehen?


Offenbar hat es in den vergangenen Monaten erneut Verhandlungen mit der Verwaltung gegeben, die nunmehr – von wem auch immer – ans Abendblatt durchgestochen worden sind. Die politischen Gremien sind jedenfalls nicht erneut beteiligt worden. Es ist schon faszinierend, wie bestehende Bebauungspläne zugunsten von „Investoren“ und „Projektentwicklern“ (Immoblienhaie wäre auch eine Bezeichnung, die gilt aber als unfein) gedehnt und gequetscht werden können. Jedenfalls stimmen weder die alten noch die neuen Baupläne mit dem für ein anderes Projekt erstellten Bebauungsplan St. Georg 34 von 1995 wirklich überein.

Zur Erinnerung:Bereits vor 25 Jahren gab es (zu Zeiten des unvergessenen Senators Volker Lange) Pläne für ein „Scandinavian Trade Center“ mit 17 Geschossen an der Ecke Lindenstraße/Adenauerallee. Daraus wurde nichts, dafür gab es dann größere Pläne für das heute in Rede stehende Areal. Bereitwillig wurde dafür ein Bebauungsplan erstellt (St. Georg 34, festgestellt 1995). Einige Wohnhäuser „mussten“ dafür abgerissen werden. Gebaut wurde - nichts. Der vorliegende Bebauungsplan verhinderte dann, dass diese Ecke in das Sanierungsgebiet „Böckmannstraße“ einbezogen wurde. Immer wieder gab es neue Pläne von verschiedenen Architekten, keiner davon nahm Rücksicht auf die Belange des Stadtteils. Und nur die Krise seit 2008 hat verhindert, dass die Büro- und Hotelbaupläne der „Patrizia“ umgesetzt wurden. Seit 2011 wurde die Baugenehmigung für das alte Projekt gegen die Empfehlung des Stadtteilbeirats und das Votum der LINKEN. im Bauausschuss immer wieder verlängert, obwohl sie eigentlich nach drei Jahren ausgelaufen wäre. Der Stadtteilbeirat hatte sich immer wieder mit der Planung dort beschäftigt und deutlich gemacht, dass St. Georg Wohnungen an dieser Stelle will.