13. Dezember 2016

Soziales Gesamtkonzept Hauptbahnhof

Antrag öffentlich

Fraktion DIE LINKE

Drucksachen–Nr.: 21-2804

Datum: 13.12.2016

Beratungsfolge

Gremium 

Datum

Öffentlich

Bezirksversammlung Hamburg-Mitte

15.12.2016

 

Soziales Gesamtkonzept Hauptbahnhof


Sachverhalt:

Seit Jahren, wenn nicht gar Jahrzehnten, gibt es eine intensiv-geführte Debatte um den Hamburger Hauptbahnhof. Dabei wird immer wieder ins Feld geführt, dass auf dem Gelände für mehr Sicherheit und Sauberkeit gesorgt werden müsse, um das subjektive Sicherheitsgefühl der Reisenden zu stärken. Die Personen, die dabei im Zentrum stehen, sind Trinkergruppen, Drogenabhängige und Obdachlose, die sich am Hauptbahnhof aufhalten. Doch häufig geht es in der Diskussion nur indirekt um sie. Selten wird gefragt, wie die soziale Situation dieser Menschen verbessert werden kann. Stattdessen wird die soziale Situation der Reisenden ins Blickfeld genommen. Dass sich jedoch in einer Gesellschaft alles bedingt und die Verbesserung der Situation für die eine Personengruppe auch eine Veränderung für die andere Personengruppe hervorbringt, wird dabei übersehen.


Jede politische Kraft führt für ihre Sichtweise Beschreibungen des Hauptbahnhof-Milieus an und zieht daraus ihre eigenen politischen Schlüsse. So forderte die SPD-Fraktion hinsichtlich der Soziallage lediglich eine bessere Vernetzung der sozialen Träger und Institutionen, die mit der Klientel am Hauptbahnhof arbeiten. Dies reicht unserer Ansicht nach nicht aus.


Die sozialen Institutionen leisten hervorragende und wichtige Arbeit am Hauptbahnhof und seinen umgebenden Straßen und Plätzen. Allein an einem sozialen Gesamtkonzept für den Hauptbahnhof fehlt es. Wir sehen es als Aufgabe der Politik an, ein solches soziales Gesamtkonzept bereitzustellen. Hierfür erachten wir es als notwendig im Vorfeld eine unabhängige, wissenschaftliche Studie, welche die Bedarfe der Menschen die sich am Hauptbahnhof aufhalten, erfasst und beschreibt, in Auftrag zu geben. In diese soll vor allem auch der Erfahrungs- und Wissensschatz der sozialen Träger und Institutionen einfließen, sowie eine Bedarfsanalyse der Gruppen, die sich am Hauptbahnhof aufhalten. Nur wenn das soziale Milieu erforscht und die Bedarfe der Menschen vor Ort wissenschaftlich untersucht wurden, kann aus unserer Sicht ein umfassendes und unabhängiges soziales Gesamtkonzept entstehen, welches ebenfalls in der Studie als Handlungsvorschlag enthalten sein soll.

Denkbar wäre eine Vergabe dieses Forschungsprojekts an die HAW oder die Uni Hamburg oder ein anderes unabhängiges Forschungsinstitut. Eventuell ist es auch möglich, eine solche Studie im Rahmen eines studentischen Forschungsprojekts oder einer Masterarbeit zu implizieren. Wir benötigen endlich ein wissenschaftlich ergründetes soziales Konzept für den Hauptbahnhof, anstatt den sozialen Trägern immer nur aufzutragen, sich besser zu vernetzen.


Mit einem solchen Gesamtkonzept könnte die soziale Situation der Menschen tatsächlich strukturiert und koordiniert verbessert werden, was letztlich allen Menschen am Hauptbahnhof zugutekommen würde.

Petitum/Beschluss:

Dies vorausgeschickt möge die Bezirksversammlung beschließen:

  1. Der Bezirk Hamburg-Mitte prüft, in welchem Rahmen eine unabhängige Bedarfsstudie des Sozialraums Hauptbahnhof unter Einbezug der sich dort aufhaltenden Gruppen, sowie betreuenden sozialen Institutionen, in Auftrag gegeben werden kann.

  2. Nach entsprechender Prüfung soll die Studie an ein unabhängiges Forschungs- und/oder Lehrinstitut vergeben werden, welches aufbauend auf der Sozialstudie eine Empfehlung für ein soziales Gesamtkonzept am Hauptbahnhof einbringt.

  3. Entsprechend der Empfehlung soll ein soziales Gesamtkonzept am Hauptbahnhof erstellt und umgesetzt werden.