Ina Morgenroth:

»Einer muss ja das Maul aufmachen!«

Ich bin Mitte der 80er Jahre in Thüringen geboren und bis zu meinem 19. Lebensjahr dort behütet in einem 500-Seelen-Dorf zusammen mit einer älteren Schwester aufgewachsen. Mit dem Drang nach Freiheit und dem Wunsch nach neuen Horizonten ausgestattet, ging ich zum Studium nach Kassel und anschließend als frischgebackene Sozialarbeiterin nach Hamburg, um hier Kriminologie zu studieren Schon als ich zum ersten Mal in den Hauptbahnhof einfuhr, dachte ich, dass dies die große weite Welt ist. Und dieses Gefühl überkommt mich heute noch manchmal an ganz bestimmten Orten in dieser Stadt, obwohl ich nun schon seit fast zwölf Jahren hier lebe und weiß, dass Hamburg nicht der Nabel der Welt ist.

Ganz besonders schätze ich St. Georg und seine »liebenswert hässlichen« Seiten. Ich kenne keinen anderen Stadtteil, der so viele Lebensstile und menschliche wie gesellschaftliche Facetten in sich vereint.

2014 bin ich in Die LINKE eingetreten, da mich Hartz IV, die Situation der Lampedusa-Flüchtlinge und die zunehmende Schere zwischen Arm und Reich immer unzufriedener gemacht haben. Zwar konnte ich als Sozialarbeiterin für Haftentlassene die eine oder andere prekäre Situation für einzelne Klient*innen abwenden, aber an den größeren gesellschaftlichen tellschrauben konnte ich nicht drehen. Das musste sich ändern! Und es kam schneller als gedacht: Kurz nach dem Parteieintritt im Januar saß ich schon im Mai desselben Jahres unverhofft als Mitglied der Linksfraktion in
der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte. 2019 wurde ich zum zweiten Mal in die Bezirksversammlung gewählt und freue mich sehr über diese Chance, aber auch immer wieder Herausforderung in meinem Leben.

Da ich sowohl in meinem Beruf als Bewährungshelferin als auch mit meiner kleinen Tochter neben der Politik eingespannt bin, muss die gesamte Fraktion gleichberechtigt mit anpacken und auch einspringen, wenn ich Termine als Fraktionsvorsitzende nicht wahrnehmen kann. Ich bin sehr dankbar,
dass die achtköpfige Linksfraktion und weitere zugewählte Bürger*innen in der Bezirksversammlung engagiert und motiviert zusammenarbeiten. Ich selbst arbeite mit im Ausschuss für Sozialraumentwicklung und im Cityausschuss. Darüber hinaus bin ich u.a. aktiv im Einwohnerverein St. Georg und Mitglied der Initiative statt_Kameras, die sich gegen die Videoüberwachung am Hansaplatz einsetzt. Hin und wieder kann man mich auf Demos finden, vor allem zu den Themen Mietenwahnsinn, Austerität, Obdachlosigkeit, Kriminalisierung und Polizeigesetze sowie Frauenrechte. Als linke Opposition ist es unsere Aufgabe, gesellschaftliche Missstände aufzudecken.
Nur so können neue Denkweisen und alternative Handlungsmöglichkeiten in die Welt getragen werden, ob in den Parlamenten oder auf der Straße.