Skandal im Sperrbezirk St. Georg

Senat plant weitere Repressionen und Kriminalisierungen gegen SexarbeiterInnen

Flashmob gegen die KVV auf dem Hansaplatz am 26.4.2012 Foto: Ulli Gehner

DIE LINKE Bezirksfraktion Hamburg-Mitte kritisiert die Absicht des Senats, durch ein „Kontaktverbot“ auf den St. Georger Straßenstrich einzuwirken. Mit einem Ordnungsgeld von 5.000 Euro für Freier soll nun endgültig der Straßenstrich am Steindamm und am Hansaplatz verschwinden.

Markus Schreiber, Bischof Jaschke und die Hotelbetreiber am Bahnhof schienen seinerzeit begeistert. Die Erfahrungen und das Wissen der Beratungseinrichtungen für Prostituierte wie „Ragazza“ und „Sperrgebiet“ oder der entsprechenden Fachleute in der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di hingegen interessieren nicht. Hier geht es um die saubere Fassade, um saubere Plätze und saubere Straßen für Touristen. Was sich in Hotelzimmern, dunklen Ecken und Privatwohnungen an Brutalität gegenüber den SexarbeiterInnen abspielt, ist kein Thema. Hauptsache, Prostitution findet nicht in der Öffentlichkeit und nicht auf der Straße statt. Denn es geht ums Geschäft und ums Marketing, und da ist schließlich der äußere Anschein entscheidend. Als Bezirksabgeordnete in Mitte finde ich, dass diese Politik von einer unerträglichen Doppelmoral geprägt ist. Die Sperrbezirksverordnung muss weg. Wir brauchen ein Zeugenschutzprogramm für SexarbeiterInnen. Nur so kann gegen brutale Freier, Zuhälter und deren Organisationen vorgegangen werden. Die Frauen und Männer, die mit Sexarbeit ihr Geld verdienen, brauchen Schutz und Rechte. Dann wird es auch nicht mehr die unwürdigen Szenen am Steindamm und Hansaplatz geben.


Christine Detamble-Voss, Bezirksabgeordnete aus St. Pauli, Mitglied im Ausschuss
für Sozialraummanagement