Rettet Elisa: Katz- und Mausspiel mit der vhw

Oberes Foto: Elisa-BewohnerInnen werden bleiben!
Unteres Foto: Ordentliche Wohnungspflege statt Abrissbirne Foto/Grafik: Rettet Elisa

„Raum zum Leben in jedem Alter und für fast jeden Geldbeutel“ – damit wirbt die Vereinigte Hamburger Wohnungsgenossenschaft (vhw). Ihr Ruf ist allerdings nachhaltig ramponiert, was seit August 2011 vor allem auf die Diskussion um eine Wohnanlage in der Nähe des Hammer Parks zurückzuführen ist. Der dortigen MieterInneninitiative „Rettet Elisa“ ist es gelungen, den Protest gegen den geplanten Abriss eines Backsteinensembles (Chapeaurougeweg 16-20/Am Elisabethgehölz 3-7/Curtiusweg 1-5) mit viel Kreativität und Engagement in die Öffentlichkeit zu tragen (s.a. www.rettet-elisa.de). Der vhw scheint dieser Elisa-Wohnkomplex jedoch ein Dorn im Auge zu sein: Die Wohnungen seien auf Dauer nicht mehr vermittelbar, und außerdem müsse man auch für die solventere Klientel der Genossenschaft Wohnungen bereithalten. Und wo kann man das besser als in einem Neubau in einer ruhigen Wohnstraße direkt am Park? Für die jetzigen Elisa-Mieterinnen und Mieter gäbe es schließlich genügend andere Wohnungen in Hamm, wobei es fraglich ist, ob eine Mutter mit drei Kindern in die Eineinhalb-Zimmer-Wohnung ziehen möchte, die die vhw ihr angeboten hat. Oder der Rentner, dem man eine neue Wohnung in einem oberen Geschoss anpreist.

Dass die Beunruhigung über die Abrisspläne solche weiten Kreise zieht, hängt zum einen mit der Wertschätzung für einen markanten Gebäudekomplex zusammen, der ursprünglich noch aus der Schumacher-Zeit stammt und nach der Kriegszerstörung weitgehend originalgetreu wieder aufgebaut wurde. Außerdem würden mit dem Abriss auf einen Schlag 120 günstige, überwiegend kleinere Wohnungen vernichtet, also ausgerechnet ein Bestand, der in Hamburg besonders stark nachgefragt wird.

Abrisspläne ruhen vorläufig

Auf Drängen der Kommunalpolitik ließ die vhw ihre Abrisspläne zunächst sechs Monate ruhen. Rettet-Elisa nutzte die Verschnaufpause, um auf einer Podiumsdiskussion eine gangbare Lösung anzudiskutieren. Am 14.12.2011 kamen gut 100 Betroffene und Sympathisanten ins Rauhe Haus. Auf dem Podium saßen neben zwei Vertreter/innen der Mieterinitiative Abgeordnete der Bezirksversammlung Mitte sowie die Architekten Hans Joachim Reinig und Thomas Dittert (letzterer von der Fritz Schumacher-Stiftung) und ein Vertreter vom Hamburger Mieterverein. Ferngeblieben war der vhw-Vorstand, der mit seiner Befürwortung des Abrisses dort ziemlich alleine geblieben wäre.

Für DIE LINKE hat vor Ort vor allem eine der Autorinnen (Sandra Clemens, selbst vhw-Mitglied) die Mieterinitiative solidarisch unterstützt: „Bei der Begehung der Elisa-Häuser am 12.12. konnten wir uns von der akzeptablen Bausubstanz der Gebäude überzeugen. Der anwesende Architekt bestätigte uns, dass eine Instandsetzung möglich ist, ein Abriss muss wirklich nicht sein. Am dringendsten sind Maßnahmen im Hinblick auf die Heizungsanlage, da in vielen Wohnungen noch mit Kohleöfen geheizt wird. Absolut vorrangig ist, dass die Instandsetzung sozial verträglich erfolgt. Skandalös und angesichts der Wohnungsnot nicht zu verantworten ist die Tatsache, dass in den Gebäuden mehrere Wohnungen leer stehen.“

Runder Tisch: Konstruktive Gespräche oder Katz- und Mausspiel?

Zu Anfang des Jahres 2012 hat die Kommunalpolitik einen „runden Tisch“ einberufen, an dem Vertreterinnen und Vertreter von Rettet-Elisa, vom Mieterverein, der Fraktionen und dem vhw-Vorstand sitzen. Die Teilnehmer haben die Erstellung eines Gutachtens beschlossen, das mehrere Lösungsvarianten für das Backsteinensemble berechnen soll. Erst nach Fertigstellung des Gutachtens, wenn konkrete Zahlen vorliegen, soll der runde Tisch die verschiedenen Lösungsvarianten diskutieren und zusammen mit der Initiative eine Lösung finden, die von möglichst vielen Beteiligten getragen werden kann.

Die vhw ließ allerdings in ihrem Newsletter vom 27.4.2012 verlauten, dass an der Stelle der Elisa-Gebäude Neubauten mit Fördermitteln geplant seien – so, als ob dies schon eine Tatsache wäre und es den runden Tisch und das Gutachten gar nicht geben würde. Da fragt man sich schon, wie ernst die vhw es mit dem Gutachten meint und inwieweit sie tatsächlich bereit ist, von ihren Abrissplänen abzurücken.


Marion Fisch (Zugewählte Bürgerin im Regionalausschuss Horn/Hamm/
Borgfelde/Rothenburgsort) und Sandra Clemens (Bezirksabgeordnete aus Hamm)