Es wächst wieder nach…

Der Hammer Park nach dem Sonderinvestitionsprogramm

Sievekingsallee: Endlich wieder freie Sicht auf die Sievekingsallee!
Haben hier etwa doch Kinder gespielt? Fotos: Sandra Clemens

Wer sich in diesem Frühjahr auf der Suche nach etwas Frischluft und Erholung in den Hammer Park begab, konnte sich vielerorts die Augen reiben: An „Sichtachsen“ ist kein Mangel mehr, denn wo einst Unterholz und Büsche standen und Kleintieren Schutz boten, geben gerodete Flächen nun den Blick quer durch das Gelände frei. Die Schachspieler müssen nicht mehr ungestört über ihren Partien grübeln, und lauschige Ecken kann man mit der Lupe suchen. „Lauschig“ ist überhaupt das Stichwort: Die Auslichtung des Baum- und Strauchbestandes, besonders auch an den Verkehrsadern Sievekingsallee und Caspar-Voght-Straße, denen man gerade entfliehen wollte, lässt den Straßenlärm bis in die Mitte der Parkanlage vordringen.

Wurde aber nicht vor wenigen Jahren, 2008, vom seinerzeit rot-grün regierten Bezirk Mitte eigens ein „Sonderinvestitionsprogramm“ für den Park aufgelegt? Immerhin befindet sich die traditionsreiche, denkmalgeschützte Grünanlage mitten in einem „aufstrebenden“ Stadtteil, und die teils schon zugezogene, teils noch erwartete zahlungskräftigere Bewohnerschaft soll mit attraktiven Erholungsmöglichkeiten doch durchaus versorgt werden. Nur DIE LINKE mäkelte schon nach Bekanntwerden des Programms, dass damit zwar mehrere hunderttausend Euro an Sondermitteln zur Verfügung gestellt, die Mittel und das Personal für den laufenden Betrieb aber mitnichten erhöht wurden.

Das Ergebnis ist der Anlage nun buchstäblich abzulesen: Zwar erhielt der Spielplatz neue Geräte (und dazu eine dieser ungemein zur Benutzung einladenden provisorischen Dixie-Toiletten. Wie kurz vor Redaktionsschluss bekannt wurde, soll der Park tatsächlich eine richtige WC-Anlage bekommen, dafür wird eine andere in Mümmelmannsberg geschlossen), zudem wurde ein – in seiner Notwendigkeit umstrittener – neuer Eingang im Südosten geschaffen und eine „Mehrgenerationenbewegungsfläche“ eingerichtet, deren Name Programm ist. Auch wurden für die überfällige Entschlammung des Teiches erhebliche Mittel aufgewandt. Diese sind jetzt im Übrigen, wie eine Anfrage der LINKEN Bezirksfraktion vom März 2012 ergab, aufgebraucht, und jede neue bzw. zu ersetzende Bank, jede Tischtennisplatte muss wieder mühsam beantragt werden – in der Hoffnung auf sich doch noch auftuende Finanzierungstöpfe.

Bei einer Parkführung der Stadtteilgruppe der LINKEN Hamm, Horn, Borgfelde im Frühjahr 2011 war bereits die Befürchtung laut geworden, dass ein Teil der Maßnahmen der pflegeleichteren „Zurichtung“ des Parks – auf Kosten der Artenvielfalt – dienstbar sein würde. Der Eindruck hat sich seither eher verfestigt. Im Februar 2012 fanden wieder umfangreiche Fällmaßnahmen von Sträuchern und Bäumen statt, die bei Anwohnerinnen und Anwohnern für Unmut sorgten und selbst in der Lokalpresse Niederschlag fanden (Wochenblatt, 22. Februar 2012: „Bangen um den Hammer Park. Radikale Abholzung verunsichert Bürger“). Die Situation im Frühjahr 2012 stellt sich also in weiten Teilen als ernüchternd dar, was durch die Antworten auf die erwähnte Anfrage bestätigt wird. Dabei erstaunt die Unbefangenheit, mit der Auskünfte erteilt werden wie: „Im Park wurde nicht ausgelichtet“, die jedem Augenschein widersprechen.

Auch die lieblose Gestaltung des einst repräsentativen, allerdings schon seit Jahrzehnten durch den Verkehrslärm weniger attraktiven Eingangs an der Sievekingsallee/Ecke Hammer Steindamm erweist sich als immer noch steigerbar: Derzeit wird sogar überlegt, die dort noch vorhandenen verwahrlosten Blumenbeete zu entfernen. Eigentlich bietet sich die Zone dann künftig als Großwerbefläche an, aber das sollte man wohl nicht zu laut sagen, schließlich sind öffentliche Einnahmequellen rar.

Auch die Umgestaltung des einstigen „Brunnengartens“ war noch 2009 bei einer Vorstellung im Regionalausschuss als denkmalpflegerische Leistung angekündigt worden. Der jetzt entstandene Ort erweist sich nicht nur als Herausforderung an die Phantasie: Das Rondell ist mit Schlackesteinen aufgefüllt worden. Für Kinder, die auf den absurden Gedanken kommen, dort zu spielen, sind die Steine eine Verletzungsgefahr und eine noch zu untersuchende Gesundheitsbeeinträchtigung. Dabei lädt die Fläche, immerhin mit Bänken versehen, schon optisch wenig zum Sitzen ein, ist aber „nach jetzigem Standpunkt dauerhaft vorgesehen“.

Es gäbe noch einiges zu meckern, und Pessimisten im Hinblick auf Stadtnatur in der „gut regierten“ Hansestadt finden hier einiges an Anschauungsmaterial. Andererseits ist, da die Sonderinvestitionsmittel wie gesagt aufgebraucht sind, womöglich zumindest mittelfristig auch keine größere Verhunzung an dieser Stelle zu befürchten. Außerdem ist der Umgang mit dem Hammer Park immer noch nicht zu vergleichen mit den Großabholzungen für die igs in Wilhelmsburg, ein Beispiel für den nicht eben sorgsamen Umgang mit wertvollen städtischen Grünanlagen ist er aber allemal – und damit Anlass für weitere LINKE Mäkeleien, Anfragen und Anträge sowie für politische Parkspaziergänge mit BürgerInnen!


Marion Fisch, zugewählte Bürgerin im Regionalausschuss Horn/Hamm/Borgfelde/
Rothenburgsort