Wilhelmsburg nach der IBA/igs: Was war, was ist?

Künftig Eintritt zahlen? Der Zaun am igs-Gelände Foto: Christine Wolfram

Wilhelmsburg ist an vielen Stellen immer noch Baustelle. Und an vielen Stellen hat sich der Stadtteil, wie in der Wilhelmsburger neuen Mitte, sehr verändert. Wo früher Bäume standen, stehen nun „innovative“, uniforme, bauklotzähnliche IBA-Bauten, in denen zu wohnen sich nur Besserverdienende leisten können. Der riesige, bunte Neubau der BSU (Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt) aber, der dort über allem thront, macht klar, dass man sich in der neuen Mitte Wilhelmsburgs aufhält und nicht in irgendeinem Neubaugebiet. Das alles ist Geschmackssache. Aber so viel wie in Senats- und Behördenpressemitteilungen gejubelt wird, hat Wilhelmsburg nicht wirklich gewonnen.

Im Gegenteil haben die Wilhelmsburger BürgerInnen sehr viel ertragen müssen. Sie haben zugesehen, wie tausende Bäume ihrer grünen Insel gefällt wurden. Sie haben zugesehen, wie Kleingartensiedlungen, die bereits seit den 1930er Jahren bestanden, niedergerissen wurden. Selbst vor Biotopen hat man nicht Halt gemacht. Viele Tiere wurden dadurch verdrängt oder einfach getötet. Seit 2008 wurde der gesamte Park südlich der Mengestraße eingezäunt. Nach der Ausstellung wurde zwar der Park an die
BürgerInnen übergeben, der Zaun aber blieb und soll, wenn es nach der Verwaltung geht, auch bleiben. Bisher soll der Park eintrittsfrei am Tage zu begehen sein. Nachts soll er jedoch geschlossen bleiben,
um die chaotischen WilhelmsburgerInnen davon abzuhalten, die teuren Installationen zu zerstören. Man hatte immer wieder betont, dass auch Wilhelmsburger Betriebe in die Bauarbeiten einbezogen werden sollten. Dafür hat die IBA jedoch keinen Finger krumm gemacht. Wenn man den Gerüchten im Stadtteil glauben schenken darf, gingen Aufträge im Wert von lediglich 1,2 Prozent des Gesamtvolumens an Betriebe im Stadtteil.

Die Mieten wiederum stiegen um rund zwanzig Prozent. Normale, bezahlbare Wohnungen sind in Wilhelmsburg im Moment so gut wie nicht zu haben. Und so genannte Sozialwohnungen, also Wohnungen im ersten und zweiten Förderungsweg, wurden nur sehr wenig gebaut. Die SAGA hat zudem einige von den Häuserblöcken mit kleinen, günstigen Wohnungen abgerissen und bei der Sanierung der anderen Blöcke aus zwei kleinen eine große Wohnung gemacht. Das führte dazu, dass die meisten der ehemaligen Mieter nicht zurückkehren konnten.

Es stellt sich nun also wirklich die Frage, was Wilhelmsburg um so viel lebenswerter gemacht haben soll wie angekündigt wurde und jetzt bejubelt wird:

  • Haben wir nun mehr grüne Umwelt?
    Nein, leider nicht. Eher weniger und teilweise eingezäunt.

  • Haben wir mehr Arbeitsplätze?
    Nein, unsere Wilhelmsburger Betriebe haben so gut wie nicht profitiert.

  • Haben wir nun mehr günstigeren und schönen Wohnraum?
    Leider auch nicht.

Aber wir können ja noch hoffen, denn die IBA-Gesellschaft soll uns als Entwicklungsgesellschaft für Bauvorhaben im Hamburger Süden erhalten bleiben. Wir sind gespannt …

Von der igs sollen die Betonbecken für Blumen und einige andere teure Installationen erhalten bleiben. Die igs-Gesellschaft selbst bleibt nicht. Dafür aber wahrscheinlich der alles umschließende Zaun.

Darauf könnten wir ohne weiteres verzichten …


Renate Hercher-Reis, Abgeordnete aus Wilhelmsburg