Stadtteilkultur und Betriebswirtschaft

Ausstellungseröffnung im Kulturladen St. Georg Foto: Michael Joho

Projektförderung, Kennzahlen und Evaluation bei bezirklichen Kultureinrichtungen.

Der Kulturausschuss der Bezirksversammlung hat als vornehmste Aufgabe die Vergabe von jährlich zirka 77.000 Euro an Projektfördermitteln für die Stadtteilkultur. Dies geschieht oft in großer Übereinstimmung der Parteien, und meist geht es auch tatsächlich um Stadtteilkultur, das heißt um kulturelle Projekte aus dem Stadtteil für den Stadtteil. Nur selten müssen Anträge abgelehnt werden, die nichts mit einem Stadtteil, ja nicht einmal mit dem Bezirk zu tun haben, oder weil die Antragsteller meinen, sie müssten mal eben 15 oder 20.000 Euro für ein Projekt beantragen.

Ärgerlich ist allerdings, dass oft Selbstverständliches wie Leseförderung in öffentlichen Bücherhallen als Projekt beantragt und gefördert werden muss, weil die Bücherhallen solche Aktivitäten nicht in ihrem Budget haben. Wir meinen, das gehört zu den selbstverständlichen Aufgaben eines Stadtteilkulturzentrums, das die Bücherhallen ja vielerorts sind.

Ebenso ist völlig unangemessen, dass die institutionelle Förderung der Stadtteilkultureinrichtungen an keiner Stelle auskömmlich ist. Schlimmer noch, das Einfrieren der Förderung führt dazu, dass die Inflation die Handlungsmöglichkeiten immer weiter schrumpfen lässt. Das kann auch der Kulturausschuss aus seinen bescheidenen Fördermitteln (s.o.) nicht korrigieren.

Und schließlich greift die Verbetriebswirtschaftlichung im „Konzern Hamburg“ auch immer mehr in den Bereich der Stadtteilkultur durch. Erfolg wird an inhaltsleeren, aber mit bürokratischem Aufwand zu ermittelnden so genannten Kennzahlen gemessen. Und ständig wird irgendetwas „evaluiert“ (früher hieß das „Auswertung“), und wehe, die Erwartungen der externen Berater, die solche Evaluationen durchführen, werden nicht erfüllt.

Stadtteilkultur kann dazu beitragen, dass Bürgerinnen mündig werden, ihre demokratischen Rechte wahrnehmen und sich ihres eigenen Verstandes mutig bedienen (Kant). Deshalb ist jeder Euro für die Stadtkultur gut investiertes Steuergeld. Kürzen der (Stadtteil-)Kultur ist Kürzen der Demokratie, das lehnen wir grundsätzlich ab!


Bernhard Stietz-Leipnitz, Mitglied im Kulturausschuss