Inklusion – nur ein Kürzungsvorwand?

Soziale Arbeit ist mehr wert! Foto: ver.di

Oder: Inklusion statt Integration wird gerufen, aber Zerschlagung von interkulturellen Beratungseinrichtungen im Bezirk ist gemeint!


Die Schließung der interkulturellen Beratungsstelle im Rathaus Wilhelmsburg war kein Einzelfall, obwohl es vom Bezirksamtsleiter Andy Grote und der SPDAbgeordneten Anja Keuchel vehement so dargestellt wurde. Die Beratungseinrichtung wurde geschlossen, der Berater soll anderswohin, aber die Stelle selbst verblieb beim Allgemeinen sozialen Dienst (ASD). Auf diese kann sich nun ein/e SozialpädagogIn mit Migrationshintergrund und deutscher Staatsangehörigkeit bewerben.


So stellt sich die SPD Inklusion vor. Integration ist passé, „Sonderbehandlung“ ist falsch. Gleichbehandlung mit den „BIO-Deutschen“ ist nun angesagt. Übrig bleibt aus SPD-Sicht das Sprach- und Verständigungsproblem in den Behörden etc. Ja, und das will man durch beschleunigte Einstellung von Migrantinnen und Migranten in den öffentlichen Dienst beheben. Damit das auch gut klappt, ist noch eine Beauftragte für Integration und Inklusion im Bezirk Mitte notwendig.


Da war noch was … die deutsche Staatsangehörigkeit. Kein Thema für die jetzt 18-Jährigen. Die ersten drei Generationen der Einwanderung sind außen vor. Dieser Zynismus ist nicht zu überbieten. Eines fügt sich ins andere.


Dieser Vorgang in Wilhelmsburg war der Vorbote eines Gesamtkonzeptes des Senates, die noch vorhandenen Interkulturellen Beratungen, wie zum Beispiel die Interkulturelle Begegnungsstätte (IKB) in Eimsbüttel und St. Pauli, ebenfalls „auslaufen zu lassen“, das heißt die Gelder dafür nicht mehr zu bewilligen. Somit sind sie zur Aufgabe gezwungen. Ein bis zwei Jahre noch und dann war’s das. So einfach ist das. Wenn dieser Plan umgesetzt wird, sind die Folgen katastrophal.


Der Bezirk Mitte verliert eine Reihe von Beratungsangeboten, deren MitarbeiterInnen sehr individuell, diskret, sensibel und hoch kompetent beraten, begleiten, unterstützen, trösten. Insbesondere Frauen brauchen diese vertraute Atmosphäre, um über ihre Sorgen sprechen zu können, zum Beispiel bei Flüchtlingstraumata, Gewalterfahrungen, Zwangsheirat, Scheidung, Einsamkeit von Witwen und bei diversen anderen Problemen. Aber auch Männer sind froh, sich in einem geschützten Raum aussprechen und um Hilfe bitten zu können. Und auch Paare kommen gerne. Es ist eben ein gewaltiger Unterschied zum Aufsuchen einer Behörde, die mit der Polizei und mit anderen Ämtern, Jugendamt, ASD, Schule, Jobcenter, Team Arbeit Hamburg etc. über ein entsprechendes Computerprogramm, Dienstanweisungen
oder Meldepflicht vernetzt ist.


Diese Angebote sind in Hamburg die einzigen Reste der einmal erkämpften Frauen- und Männerberatungseinrichtungen, die nicht Teil des Staatsapparats sind.


Der CDU-Senat hat nach 2001 durch Senatorin Schnieber-Jastram einen Großteil der Frauenberatungseinrichtungen privater Träger und Initiativen etc. „vernichtet“. Einige der Angebote landeten bei Kirchen und Wohlfahrtsverbänden.  Die übriggebliebenen und noch heute existierenden will nun der SPD-Senat verschwinden lassen, weil, wie schon gesagt, die SPD meint, sie seien überflüssig. Punktum, hat sich erledigt.


Die doch noch vorhandenen Beratungsbedarfe können ja während der üblichen Sprechzeiten im Bezirksamt oder beim ASD geklärt werden. Übrigens, im Neubau vom Bezirksamt in der Spaldingstraße sollen Großraumbüros geplant sein… Soviel Inhumanität auf einmal macht einen schon sprachlos. Doch richtig gruselig ist die Tatsache, dass die anderen Parteien diese Grausamkeiten gar nicht sehen.


Aber: DIE LINKE wird Sie nicht in Ruhe lassen und ihnen mutig ihre Heuchelei vorhalten. Mit Fakten, fundierter Systemkritik und anderen, besseren Konzepten. Wir sind die Stimme des Widerstandes und Protestes in den Parlamenten, auch in Mitte!


P.S.: Was wird wohl in dem neuen Integrationsleitbild für Mitte stehen? Es soll schon seit Wochen bei Herrn Grote auf dem Schreibtisch liegen. Und was wird nun mit dem Integrationsbeirat und mit dem BürgerInnenpreis für herausragende Leistungen in der Integrationsarbeit?


Christine Detamble-Voss,

Mitglied im Jugendhilfeausschuss und im Sozialausschuss