igs/IBA – war das der Sprung über die Elbe!?

Bunter Entwicklungskern oder doch Zwingburg? Die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt ist über die Elbe gesprungen und hat dadurch ein Shoppingcenter an der Stadthausbrücke ermöglicht

Vollmundig hatte der Senat immer wieder angekündigt, dass der „Sprung über die Elbe“ zum Wohle der WilhelmsburgerInnen geschehe. Der Stadtteil würde aufgewertet und sein negatives Image verlieren.

Das igs/IBA Event ist nun vorbei und in Wilhelmsburg ist der Alltag wieder eingekehrt. Da fragt sich so manche/r WilhelmsburgerIn rückblickend, was hat uns die igs/IBA gebracht?

Mietsteigerungen gab es schon vorher auf der Elbinsel, aber nach der so genannten Aufwertung gibt es bei Neuvermietungen eine Mietsteigerung von bis zu 30%, und durch den neuen Mietenspiegel und den Wegfall der Mietpreisbindung müssen die ansässigen BürgerInnen weiterhin mit höheren Mieten rechnen, die sie nicht mehr bezahlen können. Mit der Folge, dass viele Mieterinnen und Mieter sich eine neue Wohnung außerhalb Wilhelmsburgs suchen müssen. Der Verdrängungsprozess der MieterInnen, der schon im Vorfeld der igs/IBA begonnen hat, wird auch weiterhin anhalten.

Stattgefunden hat auch eine gigantische Umweltvernichtung zugunsten der igs/IBA. Hier nur ein paar Zahlen: 5142 Bäume, 3980 qm Gehölzwuchsfläche, 4197 laufende Meter Hecke, 2860 Quadratmeter Feuchtwiesen, 198 Kleingärten und nicht zuletzt einige Biotope fielen der igs/IBA zum Opfer. Dies sind nur die offiziellen Zahlen, die von der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) bestätigt wurden. Wir gehen aber davon aus, dass die eigentlichen Zahlen der Vernichtung weit höher liegen, da so einiges an Vernichtung ohne Genehmigung der BSU ausgeführt wurde.

Dass die igs mit einem Defizit von 37 Millionen Euro endete, war vorauszusehen, denn schon im Vorfeld konnte man feststellen, dass viele BürgerInnen dieses Showevent nicht befürworteten. Nicht zuletzt die auf dem igs-Gelände betroffenen KleingärtnerInnen haben von Anfang an jegliche Zusammenarbeit mit den igs-Verantwortlichen abgelehnt. Auch das Angebot, ihnen Blumen für ihre Gärten zu schenken, hat sie nicht überzeugt. Die Unannehmlichkeiten während der igs (Behinderungen des Zugangs zu ihren Kleingärten für sie und ihre BesucherInnen durch den Wachdienst) fanden sie, gelinde gesagt, äußerst ärgerlich. Nur aufgrund von Anträgen und Anfragen an die BSU, durch unsere Mitglieder im Regionalausschuss und der Bezirksfraktion, traten umgehend spürbare Verbesserungen für die KleingärtnerInnen und ihre BesucherInnen ein. Denn nach jedem Antrag bzw. jeder Anfrage haben die Verantwortlichen reagiert und die Mängel beseitigt.

Was wir hier in Wilhelmsburg brauchen, ist bezahlbarer Wohnraum und nicht „schöne“ Häuser, wie sie anlässlich der IBA gebaut wurden. Wir brauchen Wohnungen, die NormalverdienerInnen auch bezahlen können.

Fazit: Die igs/IBA hat zwar die Bedürfnisse derer befriedigt, die schon genug Geld haben, aber nicht die Bedürfnisse der Menschen, die mit ihrem Lohn ohnehin kaum auskommen. Die WilhelmsburgerInnen werden nun wahrscheinlich einen Park bekommen, der eingezäunt ist. Dass man für diesen Park in Zukunft vielleicht auch noch Eintritt bezahlen soll, daran mag ich gar nicht denken. Auch die gigantische Umweltvernichtung, für die die PlanerInnen der igs/IBA verantwortlich sind, hat ihre unauslöschlichen Spuren hinterlassen.


Ronald Wilken,
Wilhelmsburger, zugewählter Bürger in verschiedenen Ausschüssen