Elisa muss bleiben

Bauherr vhw – wohl dem, der nicht betroffen ist Foto: Sandra Clemens

Seit über zwei Jahren beschäftigt uns der drohende Abriss und Neubau des Gebäudekomplexes der vhw Am Elisabethgehölz/Chapeaurougeweg in Hamm. Von Anfang an hat unsere Fraktion sich solidarisch gegenüber der Initiative gezeigt, die für den Erhalt der Gebäude im Schumacherstil kämpft. In zwei Ausgaben der MITTLINKS haben wir über dieses Thema berichtet (1/12: „Rettet Elisa“ und 1/13: „Elisa kämpft weiter“).

Rückblick: Als es hieß, das historische Backsteinensemble soll abgerissen und durch teure Neubauten ersetzt werden, bildete sich innerhalb der Bewohnerschaft ein großer Widerstand gegen diese Pläne. Der Bezirk berief einen Runden Tisch, bestehend aus Kommunalpolitik, Bewohnern, Mieterverein und vhw, ein. Dieser Runde Tisch tagte mehrmals und sollte eigentlich ergebnisoffen sein. Schon früh zeigte sich, dass die vhw an ihren Abriss- und Neubauplänen festhält. Der bereits eingereichte Abrissantrag wurde zunächst auf Eis gelegt. Die vhw legte den anvisierten Mietpreis von zirka 11 Euro pro Quadratmeter ad acta. Es sollten beim Neubau auch geförderte Wohnungen entstehen, doch oft größer als die Wohnungen des jetzigen Bestandgebäudes. Die Bewohner befürchten eine Mieterhöhung durch die Hintertür: Ist die neue Wohnung zehn Quadratmeter größer, ist sie trotz Förderung teurer.


Jahrelanger Leerstand

Ein Ärgernis, das auch beim Runden Tisch immer wieder zur Sprache kam, war der jahrelange Leerstand vieler Elisa-Wohnungen. Bei den Gesprächen wurden mehrere Lösungsvorschläge für eine Zwischenvermietung erarbeitet, die vhw sah sich trotzdem nicht in der Lage, zumindest die gut erhaltenden Wohnungen zu vermieten. Stattdessen ließ die vhw Ende 2013 die Wasserzähler der leer stehenden Wohnungen abmontieren, mit dem Argument, das sei ja so teuer. Doch es ist nichts im Verhältnis zu den Mieteinnahmen, die der Genossenschaft Monat für Monat entgehen.


Abrissantrag über die Presse lanciert 13

Im Jahr 2013 erfuhren wir aus der Presse, dass die vhw ihren ruhenden Abrissantrag wieder eingebracht hat. Dieser kam dann auch im eigentlich nicht-öffentlichen Unterbauausschuss Hamm/Horn/Borgfelde/Rothenburgsort auf den Tisch, die Öffentlichkeit war durch die Presse allerdings längst gegeben.


Workshops zu Elisa II

Im Sommer 2013 begann die vhw, Anwohnerinnen und Anwohner zu Workshops zu „Elisa II“, wie der Neubau bereits genannt wird, einzuladen. Als Vertreter der Kommunalpolitik waren nur die SPD und die FDP eingeladen. Trotz dieser Workshops ist bisher kein Bauplan eingegangen, Elisa II existiert weiterhin nur als Luftschloss.


Zwei Vorstände scheitern an Elisa

Dass das Neubauvorhaben Elisa II eine harte Nuss ist, wird dadurch deutlich, dass sich bereits zwei Vorstände die Zähne daran ausgebissen und ihren Job gekündigt haben. Wir hoffen, dass der neue Vorstand einen neuen Weg einschlägt.


Konzept der sozialen Erosion

Besonders im letzten Jahr haben immer mehr Bewohnerinnen und Bewohner ihre Elisa-Wohnungen verlassen. Die noch verbleibenden Bewohner versuchen mittels Patenschaften, der zunehmenden Einsamkeit entgegenzuwirken. Der harte Kern will Elisa bis zum Anrücken der Abrissbirne verteidigen, denn sie wissen nicht, wohin sie letztlich zurückziehen können. Schließlich ist Elisa II immer noch nicht konkret, noch ist unklar, ob die vhw nicht im letzten Moment einen Rückzieher macht und das Grundstück im schlimmsten Fall veräußert.

Ausblick: Auch die neue Bezirksfraktion wird solidarisch zur Initiative „Rettet Elisa“ stehen. Wir sind weiterhin für eine behutsame Instandsetzung der Gebäude. Kurz vor Redaktionsschluss erreichte uns die Nachricht der vhw, dass sie einen Bauantrag für den Neubau eingereicht habe. Sollte dieser mit Abweichungen vom geltenden Planrecht gestellt sein, werden wir diesem nicht zustimmen.

Für Elisa kommt sie möglicherweise zu spät, aber: Wir halten an der Forderung nach einer Sozialen Erhaltensverordnung für Hamm fest.

Gemeinsam mit der Bürgerschaftsfraktion werden wir uns darüber hinaus dafür einsetzen, dass Leerstand in Hamburg strenger geahndet wird. Elisa hat uns außerdem gezeigt, dass die Fördermittelvergabe für Neubauten neu zu regeln ist: Statt einer Abwrackprämie für jahrelang nicht instandgesetzte Gebäude sollte die Sanierung stärker in den Fokus rücken.


Sandra Clemens, Mitglied im Regionalausschuss Horn, Hamm, Borgfelde, Rothenburgsort