Billstedt und die Flüchtlinge

Das Schulgebäude am Oststeinbeker Weg: Hier sollen die Flüchtlinge untergebracht werden Foto: Uwe Böhm

Seit wir LINKEN uns in Billstedt einmischen, begleitet uns ein Phänomen, das wohl nicht Billstedt-spezifisch ist, aber das hier eine dynamische Ausprägung hat. In diesen eher verschlafenen Stadtteil kommt immer dann Bewegung, wenn es um Themen geht, die in irgendeiner Form mit Menschen aus anderen Kulturkreisen zu tun haben. Dann ist „Aufruhr“ angesagt. Die Veranstaltungsorte sind übermäßig gut besucht und platzen aus allen Nähten.

Als vor zirka sieben Monaten die Pläne im Stadtteil bekannt wurden, dass auf dem Gelände der ehemaligen Schule Oststeinbeker Weg zirka 60 Flüchtlinge untergebracht werden sollten, begann es zu rumoren. Initiiert durch diverse Anwohner, die ihre Eigenheimidylle bedroht sahen, wurde massiv Stimmung gegen die Unterbringung gemacht. Diesmal bekam die Geschichte leider eine neue Qualität, denn die Anwohner begannen sich zu organisieren, woraus dann im Laufe der Auseinandersetzung eine Bürgerinitiative gegen die Unterbringung der Flüchtlinge entstanden ist, die auch eine eigene Webseite betreibt. Die SPD hat einen Antrag in die nächste Sitzung des Regionalausschusses Billstedt eingebracht, der sich an die Anwohnerinitiative angehängt hat. Begierig sind die Grünen und natürlich die CDU auf diesen Antrag aufgesprungen. Allerdings gab es in der SPD-Fraktion wohl auch Widersprüche. Eine Minderheit war mit diesem Antrag offenbar nicht einverstanden, aber sie hat sich kein Gehör verschafft.

Wir haben frühzeitig die Notwendigkeit gesehen, dem Treiben etwas entgegenzusetzen. Ziel war es, eine Veranstaltung zu organisieren, die im September in den Räumen der Jubilate-Kirche stattgefunden hat. Sie war für Billstedter Verhältnisse sehr gut besucht. Durch die Besetzung des Podiums wollten wir deutlich machen, dass sich die Ablehnung vordergründig gegen die Flüchtlinge richtet, aber im Prinzip haben sich viele Billstedter mit Migrationshintergrund abgelehnt gefühlt.

Nach der Veranstaltung in der Jubilate-Kirche hat sich ein Runder Tisch gegründet, der sich für die sehr praktische Unterstützung der Flüchtlinge einsetzt, die vor zirka einem Monat in die Räumlichkeiten der ehemaligen Schule eingezogen sind. Es finden regelmäßige Kaffeerunden statt. Es gibt bereits Deutschunterricht und weitere Unterstützung ist auf vielen Ebenen geplant. Wir beteiligen uns an dieser Unterstützungsarbeit. Bei unseren ersten Besuchen haben wir wirklich liebenswerte Menschen kennengelernt.

Hier zeigt sich ein schönes Billstedt. Ein Billstedt der Toleranz und der Mitmenschlichkeit – und das sollte uns freuen!!


Uwe Böhm (parteilos), Mitglied im Regionalausschuss Billstedt