Zollzaun weg – Fluch oder Segen?!

Jetzt ist er weg …

Erste zeitnahe Stellungnahme

Seit dem 1. Januar 2013 gibt es den Freihafen und die damit verbundennen Zollstationen nicht mehr. Der alte Zollzaun wird abgerissen und damit wird in vielen Bereichen, wie z.B. an der Harburger Chaussee, der freie Zugang zum Spreehafen ermöglicht.

Auf der anderen Seite der Veddel allerdings, im Norden, fallen die Schließungszeiten der Zollkontrollstellen weg. Dies bedeutet, dass die Hafenverkehre sich nun 24 Stunden am Tag und auch am Wochenende frei über den Veddeler Norden ergießen – 24 Stunden am Tag Lärm , Abgase, erhöhte Unfallgefahr.

Dazu ein Zitat des Stadtteilrates Veddel:

„Auf der Veddel sehen Prognosen der Hamburg Port Authority für 2025 eine Vervielfachung des Schwerlastverkehrs in der Tunnelstraße vor, der das heutige Schwerlastverkehrsaufkommen auf den Elbbrücken noch übertrifft. Dies bedeutet ebenfalls eine wesentliche Zunahme der Belastungen auf der Straße Am Saalehafen und damit für die Anwohner der Straße Am Gleise.

Als Zielkorridor formuliert die HPA für den Veddeler Norden:

„… die Verbesserung der Anbindung der Haupthafenroute an die Anschlussstelle HH-Veddel ist im Zusammenhang mit dem Wunsch des Stadtteils nach einer städtebaulichen Aufwertung des Gebietes und einer Verbesserung der Anbindung an die Elbe zu sehen. … daher muss eine für beide Seiten zufriedenstellende Lösung gefunden werden.“

Tunnel tut Not

Unter der Prämisse, dass die Anschlussstelle HH-Veddel für den prognostizierten Verkehr ausgebaut werden sollte, kann eine zufriedenstellende Lösung für das Wohngebiet nur heißen, dass die Verbindung im Veddeler Norden zwischen der Bahntrasse und der Autobahn getunnelt werden muss. Die Untertunnelung ist finanziell und von der Umsetzungsdauer her ein Großprojekt – allerdings mit großen städtebaulichen Potenzialen für den Veddeler Norden – und damit entscheidend für die gesamte künftige Entwicklung des Stadtteils.‘‘

Und genau hier fängt das Problem an: Der Zaun ist nur optisch weg , das ganze alte Freihafengebiet bleibt im Zuständigkeitsbereich der Hamburg Port Authority (HPA) und damit unter der Führung der Wirtschaftsbehörde und des Bürgermeisters. Die Bezirksversammlung und ihre Ausschüsse sowie die Stadtteilbeiräte haben keinen Einfluss auf die Entscheidungen der HPA.

Solange aber die Kommunalpolitik hier keine Möglichkeit hat, gezielt die Bedürfnisse der Menschen der Veddel und Wilhelmsburgs zu vertreten, ist der Zaun immer noch vorhanden. So werden Entscheidungen an irgendwelchen grünen Tischen getroffen, die nichts mit der Realität der direkt betroffenen Menschen zu tun haben.


Stefan Teddy Dührkop,
Mitglied im Regionalausschuss Wilhelmsburg-Veddel und im Stadtteilrat