„Rettet Elisa“: weiter Hoffen und Bangen um Backsteinensemble in Hamm

Sie lassen sich nicht vertreiben, die BewohnerInnen der Elisa-Häuser. Foto: Ini „Rettet Elisa”

Seit Herbst 2011 hält die Vereinigte Hamburger Wohnungsbaugenossenschaft (VHW) das Damoklesschwert eines möglichen Abrisses über das historische Gebäudeensemble am Elisabethgehölz.

Seitdem ebbt das bundesweite Medienecho über das Ensemble mitsamt der Initiative „Rettet Elisa“ für den Gebäudeerhalt nicht ab. Auch wir haben in unserer letzen Ausgabe darüber berichtet (siehe Mittlinks 1/2012). Eigentlich sollte im Dezember 2012 eine Entscheidung gefallen sein, doch noch weiß keiner so genau, ob die Rotklinkergebäude am Chapeaurougeweg, Curtiusweg und Am Elisabethgehölz abgerissen und wieder als Neubau hochgezogen werden oder ob doch saniert wird oder ob es zum Teilabriss kommt. Nun soll eine endgültige Entscheidung fallen. Allerdings ist es längst kein Geheimnis mehr, dass die vhw den Abriss vorzöge (HH-mittendrin vom 17.12.2012).


Großteil der Bewohner befürwortet weiterhin die Sanierung

Die Mehrheit der Bewohnerinnen und Bewohner spricht sich weiterhin für den Erhalt und die Sanierung ihrer Wohngebäude aus. Die vhw sagt, dass sie weiterhin beide Varianten, den Neubau sowie die Sanierung, prüfe. Doch so ganz geheuer ist diese Aussage den Mitgliedern der Initiative nicht. So übergab die Ini dem Vorstand der vhw am 17. Dezember 2012 eine Unterschriftenliste der Mieterinnen und Mieter (40 Stimmen) für den Gebäudeerhalt. Die Genossenschaft hatte nämlich beim Runden Tisch im Dezember angekündigt, eine Sanierung durchzuführen, wenn mehr als die Hälfte der Bewohnerinnen und Bewohner sich dafür aussprechen würden. Doch scheint die vhw vergesslich zu sein. Sie wertet diese Unterschriftenliste lediglich als „Meinungsbild“ und hält ihre Entscheidung immer noch zurück.


Neubau volkswirtschaftlich fragwürdig

Im Moment stehen die Zeichen also eher auf Ersatzneubau. So wie die vhw Wohnungspolitik betreibt, will DIE LINKE den „Vertrag für Hamburg- Wohnungsbau “allerdings nicht umgesetzt sehen. Lautet das Ziel des Vertrages doch, günstigen, neuen Wohnraum zu schaffen und nicht Ersatzneubauten zu fördern, die
kein Mehr an Wohnraum bieten. Die Initiative legte in Zusammenarbeit mit ihrem betreuenden Architekten Zahlen vor, denen zufolge ein Ersatzneubau die Wohnungsbaukreditanstalt (WK) das Siebenfache kosten würde. (Variantenvergleich des Architektenbüros Plan R vom 12.11.12 auf der Grundlage eines Gutachtens des Architektenbüros Dittert und Reumschüssel im Auftrag der vhw) Zwar sollen die meisten Wohnungen im Neubau nach Aussage der vhw öffentlich gefördert sein, der noch im Herbst 2011 genannte Mietenpreis von 11,50 Euro wäre damit passé. Betriebswirtschaftlich mag die Variante Neubau mit Fördergeldern der vhw förderlich sein, doch hinter den nackten Zahlen stehen Menschen. Viele Mieterinnen und Mieter glauben nicht daran, dass sie tatsächlich in den Neubau einziehen könnten, gerade diejenigen, die jetzt in einer kleinen Ein- bis eineinhalb- Zimmer-Wohnung leben, befürchten, dass keine kleinen Wohnungen mehr gebaut werden, weil die vhw diese „nicht mehr zeitgemäß“ findet. So wären diese Mieter allein durch die höhere Quadratmeterzahl von einer Mietensteigerung betroffen. Außerdem sollen durch die Förderung zwar die Anfangsmieten gering gehalten werden, doch sie können im Laufe der Jahre durchaus steigen. Einige Mieter müssten dann Wohngeld beziehen. Andere müssten sich wahrscheinlich eine ganz neue Bleibe suchen, schwierig genug bei der angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt. Die Nachbarschaft würde sich entgegen aller beschwichtigenden Aussagen doch verändern, ganz zu schweigen vom historischen Straßenbild, das durch den Neubau verloren wäre. Auch DIE LINKE glaubt, dass eine Sanierung der Gebäude machbar ist. Natürlich ist auch eine Sanierung nicht zum Nulltarif zu haben. Bei gleichbleibender Wohnungsgröße und Förderung durch die WK scheint diese Variante für die Bewohnerinnen und Bewohner jedoch planbarer und alle könnten im Viertel bleiben.


Sandra Clemens, Abgeordnete aus Hamm