Neue Pläne für den Veddeler Norden

Chance oder Hafencity 3.0?

 

Mit Veddeler Norden ist das alte Freihafen- und Zollgebiet auf der Veddel gemeint. Über die Grenzen der Veddel bekannt ist die Fischbratküche, die sich auf diesem Gelände befindet.

Wir Veddeler/innen erinnern uns gerne an den Alten Zoll, denn der hatte am Wochenende zu, also null Lkw- und Pkw-Verkehre. Derzeit haben wir eine unsägliche Verkehrsbelastung von bis zu 10 Lkw pro Minute.


Diese Entwicklung hat der Stadtteilbeirat Veddel/Kleiner Grasbrook schon 2015 thematisiert:

„Bisher hat der Stadtteilbeirat Veddel stets vertreten, dass das Gebiet zwischen Passierzettel und Norderelbe sich durch seine unmittelbare Nähe zu großen Wohnblöcken nicht für die Aufnahme großer Verkehrsströme mit hohem LKW-Anteil eignet (vgl. etwa Beschluss vom 3.2.2009). Das 2013 durchgeführte Deichparkverfahren, in dem ein vierspuriger Ausbau der Haupthafenroute
im Veddeler Norden gesetzt war, hat nachgewiesen, dass trotz der großen Verkehrsmenge eine gute städtebauliche Entwicklung des Veddeler Nordens umsetzbar ist. Einer möglichen städtebaulichen Entwicklung steht aber die Planung, wenn auch derzeit nicht aktiv verfolgt, für eine LKW-Vorstaufläche entgegen und schafft Planungsbefangenheit.


Das Straßennetz nicht nur im Norden der Elbinseln befindet sich am Rande seiner Leistungsfähigkeit und oft darüber hinaus. So hat beispielsweise die angekündigte Sperrung der Süderelbe-Brücke an einem Sonntag im Juli 2015 dazu geführt, dass sich der Verkehr stundenlang in allen Straßen der Veddel gestaut hat. Das bestehende Straßennetz ist nicht in der Lage, die prognostizierten zusätzlichen 25.000 Fahrten täglich durch die Olympic City aufzunehmen,
ganz zu schweigen von den Verkehren während der Olympiade und der Paralympischen Spiele.“


Am 4.2.16 gab es dazu eine Drucksache im Ausschuss Wohnen und Stadtentwicklung,
in der das Fachamt Stadt und Landschaftsplanung (SL) dazu diese Stellungnahme
tätigte:

„... Das Fachamt Stadt- und Landschaftsplanung unterstützt die in Rede stehende städtebauliche Entwicklung des Veddeler Nordens ausdrücklich.“

„Der Leitungsausschuss für die Programmsteuerung (LAP) hat am 09.12.2015 entschieden, dass für das in der Nachsorge befindliche Fördergebiet Veddel im 1. Halbjahr 2016 die programmatische Perspektive geprüft und ein Integriertes Entwicklungskonzept (IEK) aufgestellt wird mit dem Ziel,
eine Neuanmeldung im RISE Kontext zu erreichen. In diesem Zusammenhang wird die städtebauliche Entwicklung des Veddeler Nordens eine zentrale Rolle spielen ...“

In der Drucksache Nr. 21-1854 sind auch alle Forderungen des Beirates aufgelistet und eine ausführliche Antwort des Fachamtes.


Hiermit wollte ich deutlich machen, dass es schon länger Überlegungen für dieses Gebiet gab und gibt, manche davon stammen noch aus der Zeit von IBA und IGS.

 

Wir wollen mitbestimmen!

Aber jetzt zur Gegenwart. Das Fachamt SL hat der Veddel erste Konzeptentwürfe für den Veddeler Norden vorgestellt. Es soll eine Mischung aus studentischem und Auszubildendenwohnen sowie normalem Wohnraum geben, mit einem großen Anteil von Gewerbe.

Alles schön anzusehen.

Aber nun zum Kernpunkt meiner Kritik. Wem gehört die Stadt?


Der Veddeler Norden gehört der HPA (Hamburg Port Authority) und ein kleiner Teil dem Bund. Das bedeutet, dass der Bezirk zwar die Bebauungspläne erstellt, aber die Bezirksversammlung Mitte mit ihren Ausschüssen bis hin zum Stadtteilbeirat Veddel/Kleiner Grasbrook keine direkten Entscheidungen oder Beschlüsse zu diesem Gebiet fällen kann. Oder dass Veddeler/innen, die sich in Arbeitsgemeinschaften oder Initiativen organisieren, sich in weiteren Entscheidungsprozessen nicht an die Bezirkspolitik wenden können, sondern sich gleich mit dem Senat auseinandersetzen müssen.

Im schlimmsten Fall wird hier eine Hafencity Veddel 3.0 entstehen, die durch ihre Wohn- und Gewerbemieten das soziale Gefüge auf der Veddel nachhaltig zerstört.

Hier geht es akut um die Mitgestaltung aus der Veddel heraus. Deswegen muss hier LINKE Politik ansetzen, das Recht auf Stadt durchsetzen, das heißt, das Gelände muss in den Besitz des Bezirks Mitte, es darf kein Ausverkauf an profitgierige Investoren geben.


Es müssen (Erb-)Pachtverträge für Genossenschaften und Saga/GWG für Wohnen und Gewerbe erarbeitet werden. Keine Projekt Entwicklung über die profitorientierte IBA GmbH. Mitgestaltung muss den Menschen der Veddel von Anfang an möglich gemacht werden.


Ich werde dies jedenfalls auf der Veddel, mit meinen Nachbarn und allen Veddel-Sympathisanten fordern, und in der Bezirksversammlung, den Ausschüssen und dem Stadtteilbeirat dafür kämpfen und gerade stehen.


Stefan ‚Teddy‘ Dührkop, stv. Fraktionsvorsitzender, Ausschuss für Wohnen und Stadtteilentwicklung