Wie Planern immer die Wirklichkeit in die Quere kommt

am Beispiel Wilhelmsburger Reichsstraße.

Foto: Renate Hercher-Reis

Die Wilhelmsburger Spatzen, die sich mit dem Thema „Verlegung der Reichsstraße“ in autobahntauglicher Breite auf die Wilhelmsburger Bahntrasse schon länger beschäftigten und erbitterten Widerstand gegen diesen Plan leisteten, pfiffen es seit geraumer Zeit von den Dächern: „Eine Verlegung der Reichsstraße bis zum Anfang der igs (Internationale Gartenbauausstellung) im Frühjahr 2013 ist bei den noch anstehenden Planverfahren und der anschließenden Realisierung gar nicht mehr möglich.“ Anschaulich nachlesbar ist dies auf der Website der Planungsgesellschaft DEGES. Es war also kein wirkliches Geheimnis oder eine besonders schlaue Erkenntnis der Wilhelmsburger_innen. Nun ist diese Erkenntnis wohl auch zum Hamburgischen Senat und zu den verantwortlichen Planern durchgedrungen. Denn nun heißt es auch von offizieller behördlicher Seite, dass die Realisierung dieses Projektes bis zum Anfang der igs 2013 nicht mehr stattfinden wird.


Flugs stellten die Grünen einen Antrag auf Schließung eines Teilstückes der Reichsstraße zu den Zeiten, wenn die Besucher der igs sich an der neu geschaffenen künstlichen Natur, für die viel echte Natur weichen musste, erfreuen sollen. Dumm nur, dass dies auch die Zeiten des höchsten Verkehrsaufkommens der Straße sind. Wo diese Fahrzeuge stattdessen fahren sollen, wurde gar nicht erörtert. Schließlich geht es um täglich 55.000 Fahrzeuge. Mindestens drei Viertel von diesen Fahrzeugen dürften sich dann genau zu den Zeiten der Sperrung ihren Weg durch Wilhelmsburg suchen. Hingewiesen wurde auf den ausstehenden Verkehrsplan für den Hamburger Süden. Dieser wurde auf unentwegtes Fordern der Wilhelmsburger Bürgerinitiativen und der Politik von der grünen Senatorin der Vorgängerregierung angefertigt, vom neuen Senat aber offensichtlich zurückgehalten. Ob dieser eine Antwort auf das obige Problem hat, weiß daher auch niemand bisher so genau.


Spannend wäre die Sperrung allerdings schon. Unter der Voraussetzung, dass man den Verkehr, besonders den LKW-Verkehr, intelligent aus oder in den Hafen und von Nord nach Süd und umgekehrt, umleitet und aus Wilhelmsburg raushält, könnte man feststellen, ob es tatsächlich nötig ist, eine noch breitere Verkehrstrasse mitten durch Wilhelmsburg zu bauen.


Renate Hercher-Reis, Abgeordnete aus Wilhelmsburg