LINKE fordert: Planungen zur Doppelrennbahn begraben!

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Vor gut einem Jahr hat der damalige Bürgermeister Ole von Beust (CDU) die geplante Doppelrennbahn, welche auf dem Horner Derbygelände entstehen sollte, aus Kostengründen abgelehnt. Mindestens 30 Millionen Euro hätten die Verlagerung der Trabrennbahn Bahrenfeld und der Umbau des Geländes an der Horner Rennbahnstraße erfordert. Eine Summe, die sich für den sowieso schon subventionierten Pferderennsport, dessen Umsätze und Wetteinnahmen seit Jahren rückläufig sind und der sich immer schon vor allem als Hobby gutsituierter Schichten und reicher Rennstallbesitzer darstellte, nicht mehr rechtfertigen ließ.

Seitdem nun ausgerechnet Beusts sozialdemokratischer Amtsnachfolger Olaf Scholz die bereits beerdigte Doppelrennbahn wieder reanimieren will – Anfang Juli war zumindest schon einmal von einer Prüfung durch eine behördenübergreifende Arbeitsgruppe zu lesen – kommt Unruhe in der Anwohnerschaft auf. Unter den Horner BürgerInnen wächst die Sorge, dass ihnen die Nutzung des Geländes verloren gehen oder stark eingeschränkt werden könnte und erhebliche Belastungen hinzu kommen dürften, denn die Planungen sehen die Vergabe des Geländes an einen Investor vor, der das Gelände natürlich gewinnbringend vermarkten möchte. So überraschend die Senatsankündigung für die Öffentlichkeit ist, so zufrieden äußern sich die Millionen schweren Freunde des Pferderennsports wie Vizepräsident, Züchter und Kaffeekönig Albert Darboven sowie die Tchibo-Unternehmerfamilie Herz. Sie wittern Morgenluft für ihr Interesse, die Herstellung einer Doppelrennbahn weitgehend staatlicherseits finanzieren zu lassen.


Werden die 2010 ad acta gelegten Planungen nun wieder hervorgekramt und unter der SPD eins zu eins verwirklicht, so blieben von den 35 Hektar Gesamtfläche voraussichtlich nur noch 10 Hektar als Grün- und Erholungsfläche im zentralen Bereich erhalten. Zudem wäre die öffentliche Nutzung des Geländes in Zukunft mehr als fraglich, da private Investoren natürlich ihre „Einlagen“ gewinnbringend wieder „herausholen“ wollen. Anstatt einer jährlich einwöchigen Nutzung des Geländes für das deutsche Galoppderby würde die Frequentierung durch den Pferdewettsport beträchtlich zunehmen: Hinzu kämen rund 60 Trabrennveranstaltungen unter der Woche und an Wochenenden, mit allen damit einhergehenden Folgen wie der Sperrung des Geländes für die Öffentlichkeit (so es überhaupt noch einen Rest von freien Zugang gibt), Veranstaltungslärm und Verkehrsbelastungen in der näheren Umgebung. Nicht zu vergessen wären auf jeden Fall auch noch die zurzeit gar nicht genauer zu benennenden Trainingszeiten für die Jockeys etc.

Auslöser für die Wiederaufnahme des Themas sind die Folgen der chaotischen Koppelgeschäfte der schwarz-grünen Vorgänger-Regierung. Die Verlagerung der Trabrennbahn Bahrenfeld ist eine Voraussetzung für den Verkauf des Geländes an einen
Investor für den Wohnungsbau (im Gespräch sind vor allem hochpreisige Eigentumswohnungen). Mit den Erlösen soll z.T. der geplante Lärmschutzdeckel für die Autobahn 7 zwischen dem Elbtunnel und Stellungen und eben der Bau der Doppelrennbahn in Horn finanziert werden. Da eine Zusage des Bundes zur Finanzierung der A7-Verbreiterung von sechs auf acht Spuren angeblich besteht, wird der Deckelbau umso dringlicher.


Weitere Konfliktherde dräuen: Die Kündigung von KleingärtnerInnen nahe der Autobahn – auch hier soll Fläche für Wohnungsbau geschaffen werden – sorgte für reichlich Auseinandersetzungen, letztlich wurde ein Bürgerbegehren zum Erhalt der Parzellen vom Senat kurzerhand evoziert. Doch die Sache hängt seitdem, ebenso wie das Anliegen des Sportvereins Altona 93, der schon mal im Vertrauen auf ein neues Gelände auf dem A7-Deckel seinen Trainingsplatz an die Stadt verkauft hatte und nun aber feststellen muss, dass der Ersatz bestenfalls in weiter Ferne liegt. Öffentlich geförderte, also erschwingliche Sozialwohnungen waren übrigens in keinem Falle vorgesehen – nicht auf dem Trabrennbahngelände, nicht auf den Kleingartengrundstücken, nicht auf dem Sportplatzgelände –, ging es dem CDU-GAL-Senat doch darum, möglichst hohe Gewinne über die Grundstücksverkäufe zu erzielen.


Zurzeit werden jedenfalls Gespräche mit den Fürsten der Rennsportvereine geführt, Planungen für eine Reanimation der totgeglaubten Doppelrennbahn, die wieder einmal unter Ausschluss der Öffentlichkeit und vor allem der von den zu erwartenden zusätzlichen Belastungen bedrohten Horner Bevölkerung laufen. Für den Herbst hat der Senat angekündigt, über den Sachstand der Kombibahn und der Verkettungen zu berichten. Die Linksfraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft will allerdings schneller Licht in die Sache bringen und hat am 18.7.2011 eine umfangreiche Schriftliche Kleine Anfrage an den Senat auf den Weg gebracht.
Die Antworten bestätigen unter anderem, dass bereits über eine halbe Million Euro in die Planungen der Kombirennbahn geflossen sind.


DIE LINKE setzt sich dafür ein, dass

  • die Pläne zum Bau einer Doppelrennbahn ersatzlos gestrichen werden;
  • die Finanzierung des A7-Deckels über Kredite vorgenommen wird;
  • die Kleingärten in Altona/Bahrenfeld erhalten bleiben;
  • auf dem Gelände der Trabrennbahn Bahrenfeld Sozialwohnungsbau zustande kommt.

Für detaillierte Informationen zur Auseinandersetzung sei auf die vor gut einem
Jahr erschienene Broschüre „Begrabt die Rennbahn an der Kehre des
Geläufs“ verwiesen.


Joachim Bischoff (MdHBü), Antje Schellner und Michael Joho